UNI NOVA - WISSENSCHAFTSMAGAZIN DER UNIVERSITÄT BASEL121 - Stammzellen
Vor wenigen Wochen hat weltweit zum einmillionsten Mal eine Transplantation von Blutstammzellen stattgefunden. Erfolgreiche Therapien dieser Art sind heute lebensrettend für zahlreiche Menschen, die an Leukämie oder andern schweren Blutkrankheiten leiden. Stammzellen sind potenzielle Alleskönner: Weltweit sind Forschende daran, Wege zu finden, wo und wie sie sich klinisch einsetzen lassen. Zu klären sind auch die dabei auftauchenden ethischen Fragen – etwa zur Entnahme von Stammzellen aus „überzähligen“ Embryos nach einer künstlichen Befruchtung.
Alois Gratwohl Stammzellforschung – eine historische Betrachtung
Die Geschichte der Transplantation blutbildender Stammzellen illustriert die Möglichkeiten und Grenzen moderner medizinischer Stammzellforschung. Erwartungen und Angst vor Missbrauch, Enttäuschungen und Erfolge wechseln über einen langen Zeithorizont und werden mitbestimmt von externen Einflüssen. Die heute erfolgreiche Transplantation blutbildender Stammzellen beruht auf internationaler Zusammenarbeit. Sie steht als Grundsatzbeweis, dass ein fehlendes oder entartetes Organ durch gesunde Stammzellen ersetzt werden kann.
Das grundsätzliche Wissen um Stammzellen geht weit zurück. Aus den drei Keimblättern Ento-, Ekto- und Mesoderm des Embryos entstehen während der vorgeburtlichen Entwicklung durch Zellteilung und Zelldifferenzierung die einzelnen Organe im menschlichen Körper. Dieses Wissen entstand im 17. und 18. Jahrhundert, noch ohne Kenntnis der dazu notwendigen Mechanismen. mehr ...
Yves-Alain Barde Von pluripotenten Stammzellen
Embryonale Stammzellen sind pluripotent, können sich also zu jedem Zelltyp eines Organismus entwickeln. Sie haben die biomedizinische Forschung revolutioniert. In den kommenden Jahren dürfte induzierten pluripotenten Stammzellen eine noch grössere Bedeutung zukommen.
Eine Stammzelle besitzt die einzigartige Eigenschaft, sich selbst zu erneuern: Durch Zellteilung kann sie eine identische Kopie von sich selbst herstellen und sich über einen unbegrenzten Zeitraum teilen. Eine pluripotente Stammzelle verfügt zudem über ein ausserordentliches Entwicklungspotenzial. mehr ...
Porträt Erforscherin der Literatur im Raum
Ina Habermann, seit gut fünf Jahren Professorin für Englische Literatur seit der Renaissance, interessiert sich für Texte im Wechselspiel mit kulturellen Räumen. Das Kompetenzzentrum Kulturelle Topographien, das sie vor drei Jahren ins Leben gerufen hat und leitet, ist Ergebnis ihres kulturwissenschaftlichen Ansatzes.
Die Literaturwissenschaftlerin Ina Habermann ist eine stille Schafferin. Doch sie hat ebenso ein gutes Gespür für öffentlichkeitsrelevante Themen. So beschäftigt sie sich derzeit etwa mit britischen Europa-Diskursen und mit «Englishness», also mit bestimmten Vorstellungen nationaler Identität. In ihrer Forschung interessieren sie zwei unterschiedliche Zeitspannen und Genres: zum einen das frühneuzeitliche Drama der Shakespeare-Zeit und zum andern populäre Prosaliteratur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. mehr ...
UNI NOVA WISSENSCHAFTSMAGAZIN DER UNIVERSITÄT BASEL 120 - Zähne
Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Schönheit, kranke haben oft Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit. Fachleute der Universitätskliniken für Zahnmedizin Basel berichten über aktuelle Forschungsresultate und Entwicklungen ihres Fachs. Denn auch die Wissenschaft befasst sich mit der Behandlung der Zähne und entwickelt dabei ständig neue Methoden und Materialien. Klar wird, dass auch in diesem Gebiet neue Technologien und die Digitalisierung Einzug gehalten haben: Gebisse werden in dreidimensionalen Computerbildern dargestellt, Füllungen, Brücken und Prothesen virtuell am Bildschirm entworfen.
Clemens Walter, Nicola U. Zitzmann Zahngesundheit ist Allgemeingesundheit Der Zahnhalteapparat («Parodont») besteht aus dem den Zahn umgebenden Zahnfleisch («Gingiva»), dem knöchernen Zahnfach («Alveole») sowie einem speziellen Fasersystem («Desmodont»), das den Zahn im Kieferknochen verankert. Von Erkrankungen in diesem Bereich sind nahezu alle Menschen betroffen – oft auch mit Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit. Erkrankungen des Zahnhalteapparats können verschiedene Ursachen haben. Meist handelt es sich jedoch um Infektionen, die durch Bakterien des Zahnbelags («Plaque», «Biofilm») hervorgerufen werden. Eine unzureichende Mundhygiene fördert die Ansammlung und Vermehrung von Bakterien auf der Zahnoberfläche. Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren, welche die Entstehung der Erkrankung fördern und ihre Ausprägung ungünstig beeinflussen. mehr...
Denis F. Baumann «From file to smile» – virtuelle Zahnkorrekturen
Gesunde und schöne Zähne gehören zu einem attraktiven Lächeln. Die Kieferorthopädie ist die Fachrichtung der Zahnmedizin, die sich mit der Korrektur von Zahn- und Kieferfehlstellungen beschäftigt. Es gibt eine Reihe von digitalen Verfahren, die in der Klinik für Kieferorthopädie in Basel angewendet werden. Wer kennt sie nicht aus eigener Erfahrung, die farbigen Zahnspangen und festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen, umgangssprachlich auch «Plättlispange» oder «Gartenzaun» genannt? Technologien wie Computer Aided Design (CAD) und Computer Aided Manufacturing (CAM) haben auch in der Kieferorthopädie Einzug gehalten, sehr zur Freude der Smartphone- und Facebook-Generation. Doch für Zahnkorrekturen gibt es im Grunde keine Alterslimite. mehr...
Katharina Truninger Ein Detektiv der Paläontologie
Achim Reisdorf löst Kriminalfälle der Saurierforschung. Kürzlich ist es dem Doktoranden der Geowissenschaften gelungen, das Rätsel um den vermeintlichen Todeskampf von Dinosauriern zu lösen: Mit einem einfachen Experiment konnte er mit einem deutschen Kollegen nachweisen, weshalb diese oft in bizarr verkrümmter Körperhaltung versteinert wurden. Eine Spurensuche mit Folgen. Man glaubt, das Leiden und den Todeskampf der Tiere förmlich mitzuerleben, wenn man die bizarr verkrümmte Körperhaltung betrachtet, in der sich viele fossile Dinosaurierskelette präsentieren: Mit weit geöffnetem Maul und extrem über den Rücken nach hinten gestreckten Kopf und Schwanz faszinieren solche Funde Paläontologen seit mehr als 150 Jahren und regten zu wilden Spekulationen um ihren Tod an. «Unter anderem nahm man an, dass die bizarre Verkrümmung durch eine Art Starrkrampf ausgelöst wurde», erzählt der Sedimentologe und Fossilienspezialist Achim Reisdorf. mehr...
UNI NOVA WISSENSCHAFTSMAGAZIN DER UNIVERSITÄT BASEL 119 - Afrika
Afrika in Basel – trotz aller Unterschiede verbindet die Stadt mitten in Europa und der grosse Kontinent eine langjährige und konstante Tradition. Die Universität Basel hat sich zum Zentrum der Afrikaforschung in der Schweiz entwickelt, was auch auf das Engagement anderer Institutionen zurückzuführen ist. Zunehmend tauschen sich Forschende aus dem Norden mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Süden aus. Das vor zehn Jahren gegründete Zentrum für Afrikastudien Basel koordiniert die wissenschaftlichen Aktivitäten.
Elísio Macamo Afrikaforschung in Basel
Wenn wir europäische Phänomene verstehen wollen, ist es sinnvoll, auch Wissen aus anderen Kontinenten einzubeziehen. Forschung zu Afrika hat in Basel eine lange Tradition. Es war der Schweizer Physiker Auguste Arthur de la Rive, der um 1820 eine Lampe mit elektrischem Licht entwickelte und daher als früher Miterfinder der Glühlampe gilt. An Symbolkraft ist seine Entdeckung nicht zu überbieten, steht Licht doch für Fortschritt, Unterwerfung der Natur und Entfaltung der Vernunft. Man könnte sogar ohne viel Pathos behaupten, dass die Schweiz viel dazu beigetragen hat, die Welt zu be- und erleuchten, denn sie hat auf dem Globus viel bewegt – besonders in Afrika. So geht etwa auch die Entdeckung der insektiziden Wirkung von DDT im Jahr 1939 auf das Konto eines Schweizers, Paul Hermann Müller. Zwar hat dieses Insektenbekämpfungsmittel kontrovers diskutierte Nebenwirkungen, doch es ist nach wie vor eine wichtige Ressource bei der Bekämpfung der Malaria. mehr...
Till Förster Die Kultur afrikanischer Städte
Afrikanische Städte werden oft mit Schmutz, Chaos und Kriminalität in Verbindung gebracht. Ethnologische Forschung versucht, Ordnungen und Strukturen im städtischen Leben zu finden – meist zusammen mit Partnern vor Ort. Sind die Städte Afrikas noch zu retten? So oder so ähnlich mag man sich fragen, wenn man auf die groben Daten schaut, die einem ins Auge springen, wenn man über afrikanische Städte liest. Nirgends auf der Welt wächst die städtische Bevölkerung so rasant wie in Afrika, nirgends scheinen auch die urbanen Probleme so drängend und so wenig beherrschbar wie auf Europas Nachbarkontinent. Aus den brodelnden Innenstädten machen sich immer mehr Menschen auf den unsicheren Weg nach Europa, während die beschönigend „spontane Siedlungen“ genannten Slums dennoch ins Uferlose wachsen. Vergiftetes Wasser und eine von Abgasen geschwängerte Luft tun ein Übriges, das Leben in afrikanischen Städten als Qual erscheinen zu lassen. mehr...
Anna Wegelin In der Gedankenwelt Altägyptens
Susanne Bickel leitet das Basler Archäologenteam, das im Tal der Könige bei Luxor Anfang Jahr einen sensationellen Grabfund gemacht hat. Die Professorin, die zuvor lange in Ägypten lebte, interessiert sich gleichermassen für archäologische und kulturwissenschaftliche Fragen. Ende Januar dieses Jahres, fast genau ein Jahr nach dem Ausbruch der „ägyptischen Revolution“: Susanne Bickel, eben für einige Tage aus Luxor zurück, erhält in ihrem Basler Büro Medienanfragen aus aller Welt. Die Professorin für Ägyptologie ist Leiterin eines Forschungsteams, das einen aufsehenerregenden Fund im bekannten Tal der Könige gemacht hat: Die Equipe stiess auf das 64. Grab in dieser Nekropole, auf ein jahrtausendealtes Einkammergrab. Darin lag, in einem reich verzierten hölzernen Sarkophag, die unversehrte Mumie einer knapp 3000 Jahre alten Frau namens Nehemes-Bastet, die den in damaligen Elitekreisen häufigen Priesterinnentitel einer Sängerin des Gottes Amun trug.umtreibt. mehr...